Böhmke & Co, Braunschweig
16. Januar 2011 von smile
Da bin ich doch über ein wunderschönes, altes Messingobjektiv gestolpert und mußte sofort zuschlagen.
Soweit nichts ungewöhnliches an der Geschichte.
Die Bezeichnung der von einer anmutigen Patina überzogenen Scherbe ist: C. Böhmke & Co, Braunschweig #5 No. 657 und natürlich begann ich sofort mit einer Recherche im Netz. Doch leider fand sich im deutschen Internet quasi nichts dazu.
Braunschweig deutete allerdings auf einen eventuellen Zusammenhang mit Voigtländer hin, da sich die Firma 1849 mit einer Zweigstelle ebenda ansiedelte. Auf amerikanischen Seiten wird nun berichtet (oder auch spekuliert), dass Böhmke ein ehemaliger Angestellter Voigtländers sei, der sich gegen 1870 selbsttändig gemacht und Kameras produziert hat. Die Ähnlichkeit der Schriftzüge auf den Objektiven deutet jedenfalls auf eine Nähe zu Voigtländer hin. Gegen 1880 soll nun Voigtländer gegen Böhmke und evtl. auch andere Kamera-, Objektiv- und Apparatehersteller in Braunschweig wie Häring, Kranz, E. Trappe und Müller erfolgreich geklagt haben, denn hier verliert sich zumindest die “optische” Spur Böhmkes.
Bestimmt wäre dies eine recherchierenswerte Story in den Archiven Braunschweigs aber auch Voigtländers.
Doch (sollte dies alles der Wahrheit auch nur nahe kommen), passierte dann mit Böhmke & Co.?
Im deutschen Internet findet sich wiederum wenig bis nichts. Im amerikanischen, unter Auferbietung sämtlicher möglicher Rechtschreibfehler, entdecke ich eine weiter Spur: Ab 1882 ist in Cleveland, Ohio eine Firma namens Kuhl, Boehmke & Co. aktiv, welche allerdings anstatt einer Kameramanufaktur einen Wein- und Spirituosenhandel betrieb. Da heute in Cleveland über 20% der Einwohner deutsche Wurzeln haben, ist die Annahme, dass Böhmke nach einem gescheiterten Prozeß in die Staaten auswanderte nicht unwahrscheinlich, zumal er es zu einem vielleicht bescheidenen Wohlstand gebracht haben dürfte, der ihm sowohl Überfahrt als auch Firmengründung ermöglicht hat.
1886 verliert sich diese rein spekulative Spur erneut, doch wenn ich schon im Reich der unbewiesenen Tatsachen befinde, läßt sie sich 1888 in San Francisco, California wieder aufnehmen. Knappe 3.000 Meilen westwärts, 2 Jahre später beginnen hier KUHLS, SCHWARKE & CO. ihren “Goldwater O K”, “Kuhl’s Old Cliff” und “Log Cabin” zu destillieren, Whiskey, der heute noch in Kennerkreisen einen Namen hat.
Ende der 1910er Jahre ist auch hier Ende der Timeline – die Prohibition beginnt in den Staaten …
Was bleibt? Ein Objektiv, welches hoffentlich schnell den Weg zurück über den Atlantik findet und eine phantastische Geschichte, die mich hoffentlich immer begleiten wird, sobald ich mit diesem Messing-Glas-Brocken versuche, eine Aufnahme zu machen.
PS: Sollte jemand weitere Informationen zur Firma Böhmke & Co. oder dem damaligen Umfeld haben – immer her damit!
Mein Buchtipp: Neue Geschichte der Fotografie.




















